Die Schrott-Lady
Naumburg, Holzmarkt. Es regnet - nicht gerade aus Eimern, aber immerhin soviel, dass die Fußgängerzone leer gefegt ist. Nach kurzer Zeit taucht eine junge Dame auf, vom äußerlichen Erscheinungsbild her eher "PDS-Stammwählerin", und dreht 3 Runden um unseren Bus - mit skeptischen Blick.
Sie hält an, steigt ab und kommt auf uns zu. Wir denken "Gleich gehts los ..."
Sie setzt an, uns bleibt die Luft weg, doch es kommt alles anders: "Gerhard Schröder, SPD super!"
5 Minuten voll unerwarteten Lobes für uns. Dann eine dramatische Wende: "Wisst ihr was ihr noch anders machen könnt?" "Nein, erzählen Sie mal!" Sie: "Ihr müsst den Schrott von da oben runter holen!" "Bitte??? Was denn für'n Schrott?"
"Na den ganzen Weltraumschrott!" "Wie meinen Sie das denn jetzt?" "Der ganze Schrott muss von da oben runter, dann hätten wir nicht mehr so schlechtes Wetter. Wenn ich den ganzen Schrott von da oben hätte, dann wäre ich reich!" und das in vollem Ernst. Und sie legt noch nach: Auf den Hinweis eines Naumburger Genossen, dass die Amerikaner mit ihrem Raumfahrtprogramm nur angeben wollen, entgegnet Sie: "Was, angeben wollen die? Wenn die angeben wollen, dann soll'nse sich ne rote Hose mit gelben Streifen anziehen, die hat nich jeder, damit könn'se angeben!"
Nadja ergreift lachend die Flucht hinter den Bus. Der Rest bleibt ratlos zurück.
"Ich geh' erst nächstes Jahr"
Keine 20 Minuten nach der Schrott-Lady - man steht immer noch bei Regen auf dem Naumburger Holzmarkt - kommt von der anderen Straßenseite eine Touri Dame, vom Sound her aber trotzdem aus dem Burgenlandkreis, auf uns zu.
Immernoch perplex von der Schrott-Lady bekommen wir zunächst gar nicht mit, dass wir es mit einer SPD-Stammwählerin zu tun haben. Doch auch die sind nicht zwangsläufig frei von Kritik an unserem Kanzler: "Wie der das mit der Vertrauensfrage geregelt hat, find ich nicht so toll. Ich hab den vor 3 Jahren für 4 Jahre gewählt und sehe nicht ein, warum ich dieses Jahr schonwieder wählen soll, ich geh' erst nächstes Jahr!"
"Dann kann es aber passieren, dass Sie vor verschlossenen Wahllokalen stehen." "Das is mir egal. Und wenn die Merkel dran kommt, ich geh' erst nächstes Jahr wählen!"
Ihr Mann tritt hinzu und alles beginnt von vorn. Wir bieten den beiden, um sie versöhnlich zu stimmen, etwas Süßes an, woraufhin Sie mit den Worten "Nein danke, der Rucksack ist voll, ich hab vorhin 2 Weinflaschen gekauft." ablehnt.
Uns bleibt dann nur noch die stille Frage, ob sich der Inhalt der 2 Flaschen Wein wirklich noch im Rucksack befindet ...
Das liberale Helium
Halle, die Sonne brennt und uns wird schon langsam komisch im Kopf. Zum ersten Mal taucht ein politischer Mitbewerber auf - die FDP.
Zu unserer großen Genugtuung ist die Partei nur mit einer überfordert wirkenden Dame vertreten. Was uns zu den Schluss kommen lässt, dass dieser Gegner wohl kein zu ernst nehmender ist. Doch plötzlich wird die FDP für uns interessant: Eine große Flasche Helium tritt auf den Plan. Wir haben wiedermal nur dummes Zug im Kopf.
Nadja schnappt sich ein paar von unseren Luftballons und schnorrt etwas kostbares Gas.
Später sorgen unsere Luftballons auf der Heimfahrt für sehr viel Amüsement (stellt euch Green-Day auf Helium vor).
Eines sei noch angefügt: Trotz aller Hilfsbereitschaft war man nicht in der Lage, uns das FDP-Konzept des Bürgergeldes nahe zu bringen.
Die Verfolgungsjagd
A14, ein Teil von Bus 4 (Nadja und Salvador) ist auf dem Weg zur Landesgeschäftsstelle nach Magdeburg. Die Fahrt gestaltet sich ziemlich eintönig, bis, ja, bis wir einen weißen Golf überholen. Nadja fängt an zu feiern. „Haste das gesehen?“ Salvador relativ gelangweilt: „Nö“ „Na, der Golf. Da stand hinten >Abi 1952< drauf.“ „Hä?“ „Abi 1952!!!“ „Was? Das muss ich sehen!” Den Fotoapparat in der Hand folgte die Anweisung „Lass ihn überholen, dann können wir ein Bild machen, das glaubt uns doch sonst keiner!“ Was folgt, war so nicht unbedingt zu erwarten: Nadja steigt volle Lotte in die Eisen, wechselt nach rechts und man hat das Gefühl zu Stehen. Der Verkehr rauscht vorbei, unser Baby gibt leider nicht mehr her. Geschlagene 20 Kilometer brauchen wir, um wieder heranzukommen („Los, schneller! Immer gib ihm! Da vorne sind sie!“)
Schließlich gelingt uns
dieses Foto und die Autofahrt wurde um einiges interessanter....
Enten in Gefahr!
Es gibt leider zu wenig Zeugen für diese Begebenheit, trotzdem ist alles wirklich so passiert!
In der Fußgängerzone direkt an der Merseburger „KLIA-Passage“, an unserer Seite das stets zahlreiche Team Schmidt, ruft Silvia plötzlich „Da! Guckt mal!“ Salvador - scheinbar der einzige, der etwas mitbekommen hat – dreht sich planlos um. Silvia: „Da drüben!“ “Wo?” “Da!” Eine Entenfamilie spazierte bei wunderbarem Wetter durch die Innenstadt. Ohne Furcht und Tadel steuern die drei kleinen Geschöpfe auf die Kreuzung zu. Die versammelte Zuschauerschaft (also Silvia und Salvador) halten den Atem an. Frau Mama setzt ganz unbeirrt von den quietschenden Reifen ihren Weg fort, der Nachwuchs folgt. Auf der entgegengesetzten Fahrspur ergibt sich das gleiche Bild. Der gemeine Merseburger bremst eben auch für Enten...
Ente gut – alles gut!
Mehr Hausbesetzungen!
Zur Abwechslung regnet es in Halle. Man versteckt sich förmlich unter Schirm und Regencape. Einige Bürger lassen sich dennoch nicht davon beirren.
Ein in bayerisch anmutender Tracht gekleideter Herr tritt samt schweigsamer Gattin an unseren – mittlerweile durchgeweichten – Stand. Als wir ihm die Rückseite von Christels Kandidatenflyer entgegenhalten, reagiert der nach eigenen Angaben von der SPD überzeugte Mann völlig entrüstet. „Der gehört eingesperrt! Genauso, wie der Müntefering! Die SPD hat doch nun wirklich besseres zu bieten als die zwei alten Säcke!“ Salvador: „Ich persönlich halte von diesen beiden Herren sehr viel.“ „Junger Mann, sie sollten viel mehr für Ihre eigenen Interessen eintreten! Sie reden den Beiden [also Münte und Gerd Schröder] viel zu sehr nach dem Mund!“ „Ich bin mir da keines Fehler bewusst.“ „Ha! Also zum Beispiel die Sache mit der Agenda 2010...“ „... die ich für sehr vernünftig halte.“ „Pah! Sie haben eine Ahnung! Also, ich als Gewerkschafter hab damit erheblich Probleme!
Wissen Sie, früher haben wir uns mehr mit der Politik auseinander gesetzt...“ „...ja, glauben Sie, ich hätte meine Sprüchlein auswendig gelernt und wüsste nicht, wovon ich hier rede?“ „Ich habe den Eindruck, ja!“ „So ein Quatsch!“ „Als ich jung war, da haben wir öfter mal unangemeldete Demos veranstaltet! Und Häuser haben wir besetzt! Das sollten Sie auch mal wieder tun!“ Kurze Pause. „Wie dem auch sei: der Schröder muss weg!“ „Das denke ich nicht. Im Gegenteil, für mich ist er der Beste, den es momentan gibt“ Und er verschwand ebenso schnell, wie er aufgetaucht war.
Spitze Schuhe
Es stellt sich seit geraumer Zeit eine gewisse Idylle ein, langsam sind wir die in großen Abständen, aber trotzdem regelmäßig wiederkehrenden Beschimpfungen der uns überaus gleichgültig bis feindlich gesonnenen Hallenser, gewohnt. Ab und zu kommt es eben aber doch mal vor, dass uns auch und gerade in Halle Lob entgegenschlägt. So auch in dieser Situation: Ein etwa 70-jähriger Herr bleibt – offenbar kurz angebunden – stehen und schaut sich auf der Theke um. Unser Angebot, sich einen Kugelschreiber oder eine Lotto-Karte mitzunehmen, lehnt er dankend ab. Er würde sowieso SPD wählen. – Das hören wir doch gern. Aber noch bevor wir einen Mitgliedsantrag zücken können, tritt ein etwas älterer und auch größerer Herr an uns heran. Er lässt es sich nicht nehmen, kräftig über „Schröder und das ganze restliche Ganovenpack“ herzuziehen. Ohne, dass uns eine Chance zur Reaktion bleibt, mischt sich der erste Herr recht spektakulär ins Gespräch ein: „Sein´se bloß froh, dass ich heute keine spitzen Schuhe anhabe. Sonst würde ich Sie mal kräftig in den A**** treten! Sehn´se bloß zu, dass ´se Land gewinnen, sie Halunke!“ Wohl etwas überrascht von der Reaktion des offenbar Unbeteiligten, ergreift der Gift“zwerg“ die Flucht.
Es kehrt wieder so etwas wie Normalität (Lars unterhält unseren Fan, Nadja verteilt Luftballons, Elmar raucht und Salvador steht in der Gegend herum) ein. Nach der – für Halle üblichen – dritten Ablehnung, die Nadja in Folge zu Teil wurde, betritt unser Gift“zwerg“ – die Flucht reichte wohl nicht weit genug – wieder die Bühne: „Ha! Wieder eine Niederlage für Sie! Das freut mich!“ Salvador: „Is recht, guter Mann! Und wir freuen uns, dass wir Ihnen einen guten Tag wünschen können!“
Stoiber? – Nein, danke!
Merseburg, die Sonne brennt auch hier. Aber diesmal ist nur Lars komisch im Kopf, weil die anderen clever genug waren, sich ein schattiges Plätzchen zu suchen. Es fehlen die Worte, um möglichst blumig das Auftauchen einer merkwürdig wirkenden Radfahrergruppe zu beschreiben. Sagen wir also – sie war einfach da. Wahrgenommen werden die Touristen nur von Elmar und Salvador. Ersterer geht auf die Gruppe zu und fragt, ob man nicht interessiert an „ein paar Informationen zur Bundestagswahl“ wäre. Eine Antwort auf diese Frage bleibt zunächst unverständlich – wie sich herausstellt, verirrten sich die Herrschaften aus dem fernen Bayern zu uns in den Wahlkreis 75. Die zu erwartenden Kommunikationsschwierigkeiten bleiben jedoch in Anbetracht der überraschend großen Zustimmung zur SPD aus.
Es gelingt Elmar, ein paar „No-Angie-Buttons“ unters Wahlvolk zu streuen; und als wär´ das nicht genug, nimmt man sich auch einige Anstecker mit der Aufschrift „Schlauer als Stoiber erlaubt“ mit auf den Weg nach Hause. Die Fahrräder werden noch mit Ballons und Fähnchen dekoriert; man besteht noch auf ein
Gruppenfoto und macht sich anschließend auf, um Bayern zur „Stoiber-Freien-Zone“ zu erklären.
Ein Wahlkampftag in Halle
10:00 Die Sonne lacht, der Wahlkampfstand ist aufgebaut, die Frisur sitzt. Hurra Bürger Halles, es kann losgehen, lasst uns über sozialdemokratische Politik reden!
10:05 Die ersten Flyer und Lottokarten werden verteilt, die ersten Luftballons auch.
10:45 Ein Herr erklärt mir, dass er uns schon immer gut fand und gerne bei uns mitmachen würde. Ich gebe ihm eine unserer Beitrittserklärungen mit den Worten, dass wir uns darüber freuen. Super!
Ich finde, die Frisur sitzt immer besser.
11:00 Die Sonne lacht immer mehr – eigentlich schon etwas zu viel. Naja, gleich gibt uns das Gebäude der Konzerthalle Schatten.
11:15 Mist, ich vergaß, die hypermoderne, vollverspiegelte Fassade des Bekleidungsgeschäftes gegenüber. Diese spiegelt die Sonne munter dahin, wo unser Stand eigentlich im Schatten stehen sollte.
11:30 Wir erfreuen die Fußgängerzone und das Bekleidungsgeschäft mit unseren akustischen Wahlspots.
13:00 Die letzte Zeit verging mit vielen Flyern, Lottokarten, einigen Luftballons sowie einigen Leuten die uns Unterstützung aussprachen, vielen die Merkel und ihre Politik nicht mögen und manchen,die uns im Vorrübereilen fröhlich Beschimpfungen zuwarfen.
13:30 Mittag
14:00 Weiter geht’s
14:30 Ein
Straßenmusiker fängt an zu singen ; er ist recht gut, Zuhören macht Spaß.
15:00 Wir beschließen, wieder aktiver Luftballons zu verteilen, es waren ja in den letzten Minuten doch recht viele kleine Kinder unterwegs.
15:15 Ein erklecklicher Vorrat an Ballons wartet aufs Verteilen.
15:30 Wo sind nur die Kinder geblieben?
15:45 Endlich, es gibt noch Kinder!
16:15 Unser Luftballonvorrat ist wieder auf Normalmaß geschrumpft.
16:45 Ein jüngerer Herr kommt auf mich zu, er sieht sympatisch aus, ich freue mich auf ein nettes Gespräch.
16:46 Er scheint immer noch eigentlich ganz sympatisch zu sein, seine Ideen sind es allerdings weniger. Er beklagt sich allen Ernstes, dass Deutschland nicht genug an Kriegen teilnimmt. Er findet, wir hätten uns am Irakkrieg beteiligen sollen (Da wäre die CDU sicherlich ein besserer Ansprechpartner - leider haben wir die in den letzten beiden Wochen nicht vor Ort gesehen). Er meint, dass Kriege einfach gut für die Wirtschaft seien, die Konjunktur ankurbeln und Deutschland deshalb unbedingt Kriege führen müsse (Ich unterstelle mal der CDU, dass sie in diesem Falle auch nicht der richtige Ansprechpartner ist). Ich frage ihn, ob er wirklich denkt, dass wirtschaftlicher Aufschwung - so seine Theorie richtig sei - das Töten von Menschen rechtfertigt. Er überlegt...
16:47 Er meint, naja, man müsse ja niemanden töten, aber so ein Krieg sei schon gut für die Wirtschaft.
16:48 Ich erläutere ihm die Bedeutung des Wortes Krieg!
16:55 Er scheint nachdenklich gegangen zu sein. Immerhin.
Ich raufe mir etwas verzweifelt die Haare.
Ich raufe mir die Haare? - Mist, meine Frisur!!!
O.K., 10 Minuten Pause!
17:05 Weiter geht´s.
17:50 Wir bauen ab, alle Luftballons sind verteilt.
18:00 Feierabend für Bus 4, sch... auf die Frisur
20:00 Hmmm, auf der anderen Seite, Wahlkämpfer haben eigentlich nie Feierabend, man könnte ja noch was machen, z. B. eine Internetseite über Bus 4...
Der Tierfreund
Da Lars Resenberger – Wahlkampfleiter von Maik Reichel – persönlich um das Erwähnen dieser Geschichte gebeten hat, wollen wir uns nicht lumpen lassen. Nun denn:
Inmitten einer Neubau-Siedlung in Zeitz, genauer auf dem „Platz der Deutschen Einheit“, haben wir unsere „Zelte“ aufgeschlagen. Die Zeit plätschert so dahin, die – vorwiegend älteren – Bürger sind überraschend freundlich und offen der SPD gegenüber. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich auch unsere Gummibärchen (direkt in der Nähe befinden sich Schule und Kindergarten). Da noch viele Kandidatenflyer von Maik vorrätig sind, entscheidet man, ein wenig „stecken“ zu gehen. Nadja und Salvador melden sich freiwillig und ziehen fröhlich von dannen – schließlich scheint die Sonne. Um etwas Bewegung in Die Sache hereinzubringen geht man offensiver auf die Marktbesucher zu, so auch Lars R.:
Gegenüber der ehemaligen Kaufhalle sitzt ein Herr mit einem kleinen Hund. Als Lars bei ihm angelangt ist, zeigt das Herrchen Interesse für Kugelschreiber und Lesestoff, dass Tier für Lars selbst. Es beginnt eine etwas längere Unterhaltung über dies und jenes. Das Tier lässt immer noch nicht von Lars ab, dieser ist jedoch langsam etwas verunsichert und sieht häufiger an sich herunter. Als das Gespräch dann zum Ende kommt, hat Lars Mühe, sich vom Hund zu befreien – dieser nämlich hatte zwischenzeitlich mehrfach (natürlich vergeblich) Begattungsversuche unternommen und lies sich auch nicht davon abbringen, diese Versuche zu unterlassen. Aus sicherer Entfernung wird das ganze von unserem Stand beobachtet und schließlich mit Lautem Lachen zur Kenntnis genommen.